Elke Albrecht

über die Arbeiten:

von Armin Huber und Torsten Treff (Kunsthändler der Galerie Huber & Treff, Jena)

"In den 15 Jahren Galerietätigkeit ist es immer wieder eine Freude, etwas Besonderes in der Kunstentwicklung zu finden. Dies waren im Jahr 2013 die Arbeiten von Elke Albrecht.
Wahrnehmungen, Erlebnisse, Gedanken, Wissen und Sehnsüchte übersetzt sie in Arbeiten voll kontrollierter Sinnlichkeit. Sie erzeugt diese durch einen sehr achtsamen, fast zärtlichen Umgang mit dem Material. Ihre Arbeiten sind von feinster, subtiler Stofflichkeit."

von Michael Stöber (Kunsthistoriker, Hannover)

Im Jahre 2015 hat Elke Albrecht aus gutem Grund ein Stipendium der Pollock-Krasner Foundation in New York erhalten. Natürlich nicht, weil sie wie Pollock malt, das tut sie überhaupt nicht, sondern weil sie im Geist und in der Tradition dieses Künstlers operiert.

Zwar bevorzugt sie wie Pollock große Formate, aber ihre Bilder sind ruhig und reduziert, diskret und zurückhaltend. Sie sind minimalistisch ohne minimale Kunst zu sein. Was sie zu sagen haben, kommt äußerst lakonisch und knapp daher, ganz beiläufig, beinahe ohne Worte. Without Words, wie ihre Arbeiten aus dem Jahre 2016 heißen. Geschwisterlich nahe steht sie Pollock indes in der Auffassung, dass jedes Bild ein Reise ins Unbekannte ist. Ein Prozeß, der sich im Akt der Ausführung entwickelt. Und, dass Malerei ganz und gar subjektiv ist. Dass sie, aus den Tiefen und Untiefen eines gleichermaßen elenden und leidenden wie glücklichen und frohlockenden Fühlens kommend, die Leinwand erreicht.

Die sieben Bilder, die Elke Albrecht in Salder (Kunstsammlung Salzgitter) zeigt, sind aus den Jahren 2014-2016. Die den Blick des Betrachters gefangennehmende Spannung, die sie auszeichnet, erreicht die Künstlerin durch sorgfältig inszenierte Kontraste. Durch den Gegensatz von Zeichnung und Malerei, gestischer Abstraktion und konstruktiver Setzung, wischendem Pinsel und minutiös agierendem Bleistift. Man schaue wie raffiniert in Painting 149 (2014) das Pink der großen, ausfransenden, eher runden Farbfläche sich zum Russischrot des kleinen, unteren, eher rechteckigen Pinselstrichs verhält und zu den Geometrien des Grafits. Wie in Painting 151 (2015) gleich einem Palimpsest durch den weißen Bildgrund die Schatten eines darunterliegenden Bildes schimmern und sein Energiefeld vergrößern. Wie in Without Words 888 (2016) das zwillinghaft gesetzte, gestische Blau mit dem darüber liegenden, streng abgezirkelten, grauen Grafitfeld kommuniziert. Als treten Geist und Körper, Gefühl und Verstand, die hier unterschiedlicher nicht sein können, in einen gleichwohl gelingenden Dialog. (Ausschnitt)

von Susanne Knorr (Kuratorin, Kunstmuseen der Stadt Erfurt)

"Die Malereien von Elke Albrecht wirken in ihrer Reduziertheit sehr sinnlich und zeugen von einem hochsensiblen Umgang mit dem Material. Ihnen ist eine große Nähe zur Grafik inhärent, erst recht, wenn Drucktechniken einfließen oder mit Stiften Relationen zwischen den einzelnen gemalten Elementen durch Linien oder Liniengeflechte in unterschiedlicher Dichte hergestellt werden. Übermalen, Zurücknehmen, Erneut-Negieren ist eine spezifische Methode, die zu den reduzierten Tableaus führt und Vergleiche zu Palimpsesten nahelegt. Die scheinbar großzügige Geste des Freilassens, offenbart bei näherem Betrachten Tiefe und ein Mehr an Formen - wenn auch übermalt, erzählen sie eine Geschichte, zeigen ihren Entstehungsprozess.
Bei den geometrischen Bildelementen - die als bloße Kontur, flächiger Farbauftrag, sich auflösende Form oder ausgekritzelte geschlossene Fläche angelegt sind - geht es weniger um die Exhaktheit ihrer Darstellung als vielmehr um ihr Verständnis zueinander, ihrer proportionalen Beziehung, Farbkontraste beziehungsweise um die Relation von äußerer Form und Binnenstruktur. Immer wirft diese Malerei die Frage nach der Sichtweise in Bezug auf das Verhalten der Konstituenten dieser Bilder auf: Sind sie im Begriff zu erscheinen oder zu entschwinden"

von William Floyd (collector, New York)

"Strong work, it demands attention, holding the viewer. Not giving one a chance to stray from the painting. Your use of color is exceptional."

von Antje Vanhoefen (Direktorin, Schlossmuseum Arnstadt)

"Without Words – ohne Worte – stattdessen mit Farbe und Bleistift: Wenn das Reden über die Werke von Elke Albrecht beginnt, hat sie schon alles „gesagt“, was es mitzuteilen galt. Jetzt „übersetzt“ der Betrachter Farben, Formen und Linien in seine Sprache, integriert das Zusehende in seine Welt – interpretiert das, was uns Elke Albrecht sehen lässt. Doch was sehen wir? Was kommt uns beim Anschauen in den Sinn? Welche Assoziationen wecken Farben, Formen, Linien? …Assoziationen: Es sind Wörter, die sich, wie die einzelnen feinen Bleistiftstriche zu einem Bild hier, zu einem Text dort zusammensetzen – bei jedem Betrachter anders.
Elke Albrechts Werke scheinen zwischen Grafik und Malerei zu pendeln, sind Momentaufnahmen einer Suche nach der Verbindung von Linie und Fläche, von Farbe und Schwarz – Weiß – Grau. Verfolgt man die malerische Entwicklung Elke Albrechts über die letzten mehr als zehn Jahre so offenbart sich ganz deutlich ihre Tendenz zur Konzentration und Reduktion. Frühere Werke zeigen einen ungemein expressiven Umgang mit der Farbe und einen zum Teil pastosen Farbauftrag. Schemenhaft sind Flächen, die sich zu Figuren zusammensetzen, zu erkennen. Im Laufe der Zeit verdichten sich die Formen, weicht die Farbe (wenn auch nicht endgültig). In unregelmäßigen Abständen „schleicht“ sie sich jedoch wieder ein. Kennzeichen dafür, dass die Künstlerin ihre künstlerischen Mittel immer wieder hinterfragt – einmal getroffene Entscheidungen wieder auf den Prüfstand stellt. Der Entstehungsprozess ist die Konstante und in jedem ihrer Bilder zu finden."

von Gerd Jansen (artist, countune international art project)

"Die Malerei von Elke Albrecht sucht an der Grenze zur Zeichnung die Balance zwischen minimal eingesetzten gestalterischen Mitteln."

von Frank Nolde (Kunstwissenschaftler, Erfurt)

"Die künstlerische Arbeit von Elke Albrecht richtet sich am persönlichen Erleben und an subjektiven Eindrücken und Empfindungen aus. Sie bedient sich dabei der elementaren Quellen der bildenden Kunst als reine Malerei. Es handelt sich überwiegend um Bilder, die eher nicht als einfache Abbilder der äußeren Welt zu verstehen sind. Wenn, dann sind es eher innere Gedanken-Bilder, die über die Farben, die Formen und die Einbettung in den Bildraum subjektive neue Bildwelten entstehen lassen. Wir sollten uns als Betrachter deshalb mit offenen Sinnen auf die Bilder einlassen. Ein Aspekt, auf den die Künstlerin selbst immer wieder hinweist. Sie bricht mit der klassischen Trennung von Zeichnung und Malerei nicht nur mit dem Ineinandergreifen oder dem Nebeneinander der beiden Techniken in einem einzelnen Gemälde. Mit einer aufeinander fallenden oder sich überlappenden Formensprache treibt sie das Spiel von Form und Gegenform, von Geschlossenheit und Transparenz, von Fläche und Linie, Lasur und Struktur auf die Spitze. Das Schöne und Einmalige wird zu etwas sehr Subjektivem, das sich nicht mit den gewohnten Kategorien inhaltlicher Erklärungsmuster entschlüsseln lässt. Der beschreibbare Gegenstand der Betrachtung im Bild tritt in den Hintergrund, bleibt diffus und uneindeutig, sperrt sich vor allzu leichter Enträtselung, wobei es tatsächlich weniger um das Entschlüsseln der Bilder geht. Die radikale Vereinfachung der Bildsprache zu einer autonomen Form zwingt den Betrachter zu einem Perspektivwechsel hin auf seine eigenen Empfindungen angesichts der Werke. Er sollte sich einlassen auf die außergewöhnliche Subtilität dieser visuellen Partitur der Bilder. Die nuancenreiche Farbgebung in einer additiven oder subtraktiven Farbmischung, um ein Gleichgewicht oder ein Ungleichgewicht herzustellen und die zarte Strichführung der Bleistiftlinien und Schattierungen gegen scharfe Konturen gesetzt, erzeugen ein inneres Bild oder Empfinden von Leichtigkeit und Nähe oder von Schwere und Bedrängtheit. Beispiele dieser "innigen Verbindung von zwei Komplementärfarben, ihre Mischung, ihre gegenseitige Ergänzung und das geheimnisvolle Vibrieren der verwandten Farbtöne" beschrieb Van Gogh 1888 angesichts seiner farbsymbolischen Darstellung von Jahreszeiten und der bildlichen Schilderung der Zuneigung zweier Liebender in seinen Werken. Auch können wir uns auf Kandinsky beziehen, der in seiner Schrift "Über das Geistige in der Kunst" bemerkt, "dass die Farbe eine wenig untersuchte, aber enorme Kraft in sich birgt, die den ganzen menschlichen Körper, als psychischen Organismus, beeinflussen kann". Dazu gehört auch, dass die Künstlerin überlieferte oder in anderem Zusammenhang benutzte Formen neu verwendet und interpretiert, beispielsweise die formale Einfügung von Teilen aus dem Katalog ihrer eigenen Schnittmuster für Bekleidungskollektionen. Gestalt und Bedeutung scheinen hierbei zwar nicht mehr nach üblichem Muster übereinzustimmen, verweisen aber gelegentlich doch auf zeichenhafte, gegenständliche Aspekte im Werk Elke Albrechts."